01.05.2016 von Jörg Julius

Yesmoke - Endlich der Tragödie letzter Teil?

Nun hat er doch begonnen: Der Prozess gegen die Beschuldigten aus dem großen Yesmoke-Ermittlungsverfahren, dem ersten mit einem großen und erfolgreichen Deutsch-Italienischen Joint Investigation Team (JIT).

Am letzten Freitag war es dann soweit in Potsdam. Vor der Fünften Großen Strafkammer des Landgerichtes Potsdam wurde im vierten Anlauf der Prozess gegen sechs Beschuldigte eröffnet.

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Das Justtizentrum Potsdam mit dem Landgericht

 

Vier der sechs Angeklagten mussten mittlerweile aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Zu lange hatte es gedauert bis das Verfahren nun endlich in Gang gesetzt wurde. Erst wurde ein Richter krank, dann gab es Personalprobleme und zu guter Letzt wurde ein Formfehler zum Stolperstein.

Die beiden Hauptangeklagten müssen jedoch nach wie vor immer in die JVA zurück.

Das große Richtergremium (diesmal fünf Richter und zwei Schöffen) versuchen nun herauszufinden, in wie weit die Staatsanwaltschaft genügend Beweise beibringen kann, um die zur Verhandlung stehenden Anklagepunkte zu belegen. Immerhin geht es um 52 Millionen Euro, die auf geschickte Art und Weise allein in Deutschland am Finanzamt vorbei geschleust worden ist. In Italien, wo der Prozess bereits seit einiger Zeit gegen weitere Angeklagte läuft, steht eine weit größere Schadensmenge am Pranger: 170 Millionen Euro!

Und wie professionell die Bande vorgegangen ist, zeigt schon die arbeitsteilige Aufstellung der Geschäftsstruktur.

So sollen die beiden Hauptangeklagten die Geschäfte mit den illegalen Dealern organisiert und abgeschlossen haben. Ein weiterer Herr auf der Anklagebank hat die Bücher der offiziellen Berliner Firma geführt und die wahren Geschäfte bilanztechnisch verschleiert.

Die anderen Bandenmitglieder sollen die LKW mit Millionen von unversteuerten Zigaretten quer durch Europa gefahren haben. Und einer war da, um die „Dinge zu Ende zu bringen“. Die Gerichtssprecherin Sabine Dießelhorst sprach von „einem Mädchen für alles!“ Er soll aber hauptsächlich auf „Dienstreisen“ gegangen sein, um Zollbeamte in Rumänien, Bulgarien, Griechenland und auch in Polen zu bestechen. Diese Zöllner haben dann für die Zigarettentransporte die „ordnungsgemäße“ Ausfuhr aus der EU (Schengenraum) bestätigt. In Wahrheit haben die Zigaretten nie die EU verlassen und sind mehrheitlich in Deutschland dann auf dem Schwarzmarkt verkauft worden. Auf Grund der unrichtigen Ausfuhrbestätigung sind dann weder Umsatzsteuer noch Tabaksteuer je an den Fiskus abgeführt worden.

Das Lager der Bande befand sich im beschaulichen Havelland, in Paulinenaue. Hier wurden Lieferungen von illegalen Zigaretten beobachtet und später auch beschlagnahmt.

So wie es aussieht, wird uns dieser Prozeß noch einige Zeit beanspruchen. Zum Beginn der Verhandlung war die Rede vom Sommer des nächsten Jahres.....

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Kommentar von Evi Kerschbaumer |

Wie ist es weiter Gegangen? Gibt's die 'Firma' Yesmoke noch? Einzig gute daran, daß die Zigaretten ohne Tierversuche auskommen/kamen.

Antwort von Jörg Julius

Hallo Frau Kerschbaumer,

Ja, die Firma Yesmoke s.r.l. existiert immer noch.

Der Prozess gegen die Beschuldigten in Italien (Turin) geht nun mehr in die Verlängerung, da die Verteidigung Revision beantragt hat.

In Potsdam verhandelt das Landgericht bereits seit mehr als zweieinhalb Jahren in dem Verfahren gegen die in Deutschand ansässigen Beschuldigten Oleg D, und Alexander M. und weitere. Urteile sind bisher nicht ergangen. Die nächsten beiden Prozeßtermine sind für den 9. Oktober und den 17. Oktober d.J. anberaumt. Sollte das Gericht zu einem Urteil finden, dann werden wir es an dieser Stelle bekannt geben.